Hier lassen sich weitere fachwissenschaftliche Beiträge finden, die sich vor allem mit politiktheoretischen Themen beschäftigen.

Zukunft der Mobilität? - Mobilität der Zukunft? (2019)


In diesem Interviewbeitrag werden Expertinnen und Experten aus Politik und Wirtschaft nach ihren Visionen zur Zukunft der Mobilität gefragt. Drei Interviews wurden mit politisch Aktiven geführt (NRW-Umweltministerin Ursula Heinen- Esser und NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst als Mitglieder der schwarz-gelben Landesregierung sowie MdB Sebastian Hartmann, SPD-Landesvorsitzender von NRW). Mit Barbara Wege von der AUDI AG, mit dem Entwicklungsingenieur Andreas Patzelt und mit Mareike Rauchhaus von nextbike konnte Politisches Lernen drei unternehmerische Einschätzungen gewinnen.

Wie Wissenschaft neu begründet werden kann (2006)


"Von Kindheit an habe ich wissenschaftliche Bildung genossen, und da man mir einredete, daß man sich mit Hilfe der Wissenschaften eine klare und gesicherte Kenntnis alles für das Leben Nützlichen aneignen könne, so wünschte ich sehnlich, sie zu erlernen. Doch sobald ich den ganzen Studiengang durchlaufen hatte, an dessen Ende man für gewöhnlich unter die Gelehrten aufgenommen wird, änderte ich völlig meine Meinung. Denn ich fand mich verstrickt in soviel Zweifel und Irrtümer, daß es mir schien, als hätte ich aus dem Bemühen, mich zu unterrichten, keinen anderen Nutzen gezogen, als mehr und mehr meine Unwissenheit zu entdecken."

Diese kritische Betrachtung über die Wissenschaften ist nicht etwa die Zusammenfassung einer der derzeit inflationären Bildungsberichte oder einer weiteren Oberjammergau- und Pisa-Studie zum aktuellen Bildungssystem, sondern eine Klage über das Unbehagen an der zeitgenössischen Wissenschaft von René Descartes. Der französische Philosoph war zeitlebens auf der Suche nach einer vollkommenen Wissenschaft und glaubte diese in der Erneuerung der Philosophie nach dem Vorbild der Mathematik zu finden.

Wie weit ist Verständigung und Konsens im Diskurs möglich? (2005)


Immer dann, wenn in Politik und Gesellschaft großzügig mit Zahlen jongliert wird, ist bekanntlich Vorsicht geboten. Bei der deutschen Einheit wurde Anfang der 90er Jahre die einfache Rechnung aufgemacht, dass Vier plus Zwei problemlos Eins ergeben. Oder aktuell: führende europäische Politiker bearbeiten die Konvergenzkriterien des Stabilitätspaktes mit ihren wirtschafts- und finanzpolitischen Weichspülern so, dass die 3-%-Marke auch manchmal bei 3,5 % oder 3,8 % liegen kann. Und so wollen uns auch unverbesserliche Idealisten immer wieder erklären, dass Diskurse zwischen zwei und mehreren verschiedenen kulturellen Kontexten zwangsläufig zu einer Einheit führen können, ja sogar müssen. Das dies in der Praxis alles andere als üblich ist, lässt sich über lange Zeiträume verfolgen.

Auf der anderen Seite gehen Denker wie etwa der amerikanische Pragmatist Richard Rorty davon aus, dass solche Diskurse gänzlich aussichtslos sind. Rorty vertritt einen radikalen Kontextualismus, eine Weltsicht, die nur der eigenen Umgebung und den eigenen Werten einen objektiven Geltungsanspruch zubilligt. Er hält einen globalen Grundkonsens in Fragen von Ethik und Moral für unmöglich. Als Gast im Streitraum der Berliner Schaubühne im November 2001 zum Thema des Angriffskrieges der Amerikaner auf Afghanistan unterstrich Rorty diese Position, als er auf die Feststellung, dass Kritiker hierzulande einen Dialog der Kulturen statt Bomben fordern, wie folgt antwortete: “Ich verspreche mir nichts von solch einem Dialog. In den zwei Jahrhunderten seit der Französischen Revolution ist in Europa und Amerika eine säkulare humanistische Kultur gewachsen, in der viele gesellschaftliche Ungleichheiten beseitigt wurden. Es gibt noch viel zu tun, aber der Westen ist grundsätzlich auf dem richtigen Weg. Ich glaube nicht, dass er von anderen Kulturen etwas zu lernen hat. Unser Ziel sollte es vielmehr sein, den Planeten zu verwestlichen.”

Führende Diskurstheoretiker wie Jürgen Habermas oder Befürworter von interkulturellen Diskursen wie Ram A. Mall und Hans Küng gehen einen Mittelweg, der weder auf rein idealistischen Prämissen fußt noch dem Ansatz Rortys folgt. Grundvoraussetzung für einen erfolgversprechenden Diskurs ist es, die personale Verankerung eines solchen Diskurses in den Vordergrund zu stellen. Denn ein wie auch immer gearteter Diskurs ist zunächst einmal kein Vorgang zwischen “ganzen Kulturen”, sondern zwischen Individuen. Es geht nicht um eine kollektive Identität. Es geht immer um die personale Identifizierung mit dem im Diskurs Verhandelten. Die Entscheidung, was mit den Resultaten eines Diskurses geschieht, obliegt nie einem Kollektiv, sondern findet immer auf individueller Ebene statt.

Terra incognita - Europas vergebliche Suche nach einer kulturellen Identität (2004)


"Europa hat es zu allen Zeiten schwer gehabt", so beschreibt Gaston Thorn die europäische Einigungsgeschichte. Der ehemalige Präsident der Europäischen Kommission (1981-1985) meint hiermit die europäischen "Irrungen und Wirrungen", die es von Anfang an gegeben hat. Das gilt im besonderen Maße sowohl für den Beginn der Europäischen Integration nach dem Zweiten Weltkrieg, als auch in Anbetracht der bevorstehenden Osterweiterung der Europäischen Union am 01. Mai 2004.

Europa ist immer schon ein strittiges und unfertiges Projekt gewesen. Strittig und unfertig sind auch die Beziehungen eines vereinten Europas zu Russland.
"We must build a kind of United States of Europe", so prägt Winston Churchill am 19. September 1946 in Zürich einen der bekanntesten Sätze der europäischen Nachkriegsjahre. Die durch den Krieg geschwächten europäischen Länder sollten sich in wachsendem Maße bewusst werden, dass die Zeiten des nationalen Gegeneinanders vorbei sein müssten. Nur ein geeinigtes Europa konnte in der damaligen Weltlage nachhaltig Einfluss auf die großen politischen Entscheidungen ausüben. "Let Europe arise", das war das Motto Churchills und Europa sollte nach dem streben, was gemeinhin als eine gemeinsame kulturelle Identität bezeichnet wird. Doch diese gemeinsame kulturelle Identität hat es auch heute noch nicht gefunden.

Friedrich Nietzsches Leben rechts und links der Grenze (2003)


Schon vor gut hundert Jahren hatte Friedrich Nietzsche betont, dass "der eigentliche Wert und Sinn der jetzigen Kultur" in einem gegenseitigen "Sich-Verschmelzen und -Befruchten" liege. "Sich-Verschmelzen und -Befruchten" - darin ruht das eigentliche Potenzial in den neu entstehenden Kooperationen zwischen Städten und Regionen im deutsch-polnischen Grenzgebiet. So bezeichnete es Peter Glotz auch vor kurzem als eine bittere Ungerechtigkeit der Geschichte, dass "als Ergebnis des Zweiten Weltkriegs Städte wie Prag, Budapest, Vilna oder Sofia plötzlich zu einer Provinz Moskaus degradiert worden waren".

Mit dieser Degradierung folgte ein langsames Auseinanderleben, dennoch gehörten diese Städte zu dem, was bis dahin als Europa bezeichnet wurde. Mit der EU-Osterweiterung am 1. Mai 2004 werden viele dieser Städte wieder in ein vereintes Europa zurückkehren, so auch die Grenzstädte an Oder und Neiße. Die anderen werden später folgen und sich (erneut) zu einem erweiterten Gebilde verschmelzen. Doch ob Europa, das per definitionem ein Dasein im Wandel zu führen scheint, zur Ruhe kommen wird, bleibt ungewiss. Denn Europas Geschichte liegt in der Zukunft, nicht in der Vergangenheit - das formulierte bereits Friedrich Nietzsche, der das Leben rechts und links der Grenze auf besondere Art durchlebt hat.